DER Minenräumer im Sachwert- und Finanzmarkt

Irreversible volkswirtschaftliche Schäden

Vor mehr als einem Jahr hat der emeritierter Wirtschaftsprofessor Hans-Werner Sinn darüber ausführlich referiert, dass die Produktion im Verarbeitenden Gewerbes seit Ende 2017 stark rückläufig ist. Das hat auch mit geringeren Produktionszahlen im Fahrzeugbau zu. Da die Automobilindustrie ein wichtiger Wirtschaftszweig in Deutschland ist, der zunehmend schwächelt, bezeichnete Herr Sinn Deutschland als herzkrank. Wo die Reise mit der deutschen Automobilindustrie im Übrigen hingeht, bleibt ungewiss. Politische Rückendeckung, insbesondere von Seiten der Grünen, ist kaum erkennbar. Der Trend zur Elektromobilität wurde von Seiten der Industrie und der Politik lange Zeit verschlafen und das Feld amerikanischen und chinesischen Unternehmen unbehelligt überlassen. Die Elektromodelle der deutschen Autobauer kommen bei den Käufern auf dem so wichtigen chinesische Markt nicht gut an. Zudem sind die Chinesen im Sachen Elektromobilität weltweit mit führend und haben ihre eigenen Fahrzeuge entwickelt. Die Verbrennertechnologie aus Stuttgart, München, Ingolstadt oder Wolfsburg ist aus der Zeit gefallen und kein Argument mehr, noch irgendein deutsch-chinesisches Joint-Ventures einzugehen. Zudem muss man konstatieren, dass die industrielle Grundbasis in Deutschland politisch bedingt erodiert ist. In der Vergangenheit konnten viele Schwachstellen noch mit billigem Geld übertüncht werden. Aber weder ist Geld unendlich verfügbar noch günstig zu haben. Die Renditen für Staatsanleihen haben zwischenzeitlich spürbar angezogen. Zwar nahm der Staat 2023 rekordverdächtige 830 Mrd. € an Steuern und Abgaben ein. Er unterhält aber auch einen Sozialstaat, der frisst und frisst und frisst. Der große Batzen der deutschen Staatsausgaben wird regelmäßig verfrühstückt. Und auf Grund der Inflation kostet dieses Frühstück immer mehr bzw. verharrt auf einem hohen Preisniveau. Investiert wird zum Großteil nichts mehr oder nicht viel. Deswegen steht das Land mit seinem Eisenbahnnetz, Brücken, Autobahnen, Schulen, Militär, Verwaltung, Glasfaseranschlüssen, Energienetzen, etc. auch genau dort, wo es jetzt steht. Unternehmen können in Deutschland auf keine belastbare Basisinfrastruktur mehr zurückgreifen. Wenn Firmen tagtäglich gegen infrastrukturelle Defizite, Bürokratie und eine realitätsferne Politik ankämpfen müssen, dann kann sich das nur negativ auf die Produktivität auswirken. Selbst die USA als binnenkonsum- und technologiefokussiertes Land überholen mittlerweile die Bundesrepublik in der Industrieproduktion. Und die Schweiz mit ihrer perfekten Infrastruktur bietet Unternehmen einfach Raum für Entwicklung. Zudem wurden einige Industriezweige aus Deutschland systematisch vergrault. Die einstmals weltweit führende Kernkraftwerkstechnik ist Geschichte. Damit einhergehend verliert das Land hochspezialisierte Kernkraftwerkstechniker, Forscher, jede Menge Wissen und Steuereinnahmen. Hier wurden seitens der Politik irreversible Schäden für die deutschen Energielandschaft aber auch für energieintensive Branchen angerichtet. Denn die Chemie, aber auch die Glas-, Keramik-, Ziegel-, Metall- und Verhüttungsindustrie leiden unter hohen Energiepreisen. Und damit auch der Output zu wettbewerbsfähigen Preisen. Im Übrigen passt der deutsche Flatterstrom aus Wind und Sonne einfach nicht zu einem Industrieland mit hohem, kontinuierlichem Strombedarf. Warum die Industrieproduktion in Deutschland also nicht mehr an alte Niveaus anknüpfen kann, sollte jedem klar geworden sein.

 

Loggen Sie sich ein, um weitere Inhalte zu sehen oder informieren Sie sich über die Log-In-Zugänge.

>> zum Preis- & Leistungsverzeichnis