DER Minenräumer im Sachwert- und Finanzmarkt

Walter Ulbricht und die Signa-Gruppe

„Niemand hat die Absicht, eine Warenhauskette zu schließen.“ Nach den Irrungen und Wirrungen rund um das Galeria Kaufhof-Karstadt Debakel hat es manchem Marktteilnehmer und Politiker offenbar die Sinne vernebelt. Daher eine kurze Einordnung aus Analystensicht. Bei dem Erwerber der Warenhaushandelskette handelt es sich um die Signa Gruppe rund um den Immobilienmogul René Benko aus Innsbruck. Seine Firmengruppe ist primär ein strategischer Immobilieninvestor und kein Einzelhandelsmäzen. Diese Tatsache hilft bei der Beurteilung der Sachlage ungemein. Man sollte sich vergegenwärtigen, dass die Warenhauskette Galeria Kaufhof Karstadt Immobilien in besten Innenstadtlagen an zum Teil sehr wirtschaftsstarken Standorten besitzt. Hierzu zählen Filetstücke wie das KaDeWe in Berlin oder Oberpollinger in München. Und dies sind die Objekte der Begierde von Herrn Benko und der Signa Gruppe und nicht der Erhalt irgendwelcher Arbeitsplätze von Oma-Kaufhäusern. Ganz im Gegenteil: alte Kästen in laufstarker Lage sollten am besten gestern denn heute abgerissen werden und Platz für ein vollkommen neue Bebauung bzw. Nutzung schaffen. Und genauso passiert es auch an etlichen Standorten. Durch das Argument des Arbeitsplatzerhalt konnte man die Politik medienwirksam erpressen. Noch einfacher ging dies im Zuge der Corona-Pandemie. Dies spielte der Signa Gruppe förmlich in die Hände, ebenso aufgelockerte Insolvenzvorschriften. Nach dem ersten Schutzschirmverfahren erhielt die Signa Gruppe Staatshilfen über insgesamt 680 Millionen Euro. Man fragt sich angesichts eines Gross Asset Value der Signa Gruppe von 28 Mrd. US-$ und eines Privatvermögens von Herrn Benko über 6,1 Milliarden US-$ eigentlich wofür?! Jeder Verkäuferin 200 TEUR in die Hand als Abfindung gedrückt, wäre ehrlicher gewesen. Dankend hat Herr Benko das Steuerzahlergeld mitgenommen. Und von der jahrelangen Niedrigzinsen und den sinkenden Diskontierungsfaktoren profitiert. An den daraus resultierenden Bewertungsausweitungen und stillen Reserven sowie Buchgewinnen labte sich Herr Benko fürstlich und gönnte sich 450 Mio. € an Ausschüttungen für seine Familienstiftung. Das Geld ist geblieben, die stillen Reserven mittlerweile verschwunden. Man kann jetzt auch noch weitere Schutzschirm- bzw. Insolvenzverfahren durchführen: es würde nichts ändern, denn bei der Signa Gruppe ist bisweilen kein wirklicher Zug hinter der Fortführung der Warenhauskette. Durch den öffentlichen Druck und die Gewerkschaften kommt langsam doch etwas missmutiger Schwung in die Signa Gruppe und das Warenhaus-Drama. Aber: es geht aber immer noch um die Grundstücke und einige Prestige-Gebäude. Allenfalls als zahlungskräftige Mieter könnten einzelne Warenhäuser erhalten bleiben. Aber auch wiederum nur als Mittel zum Zweck; für einen starken Immobilien-Cash-Flow oder als Prestigeobjekte der Signa-Gruppe und nicht zur Rettung von Einzelhandelsarbeitsplätzen. Bislang spielte der Signa Gruppe in die Hände, dass immer wieder behauptet wird, dass das Warenhauskonzept aus der Zeit gefallen sei. Das ist aber vielleicht nur die halbe Wahrheit. Ganz offensichtlich hat es diese Form des Warenverkaufs in Deutschland versäumt, sich zukunftsfähig und vor allem hybrid aufzustellen. Auch im Sortiment fehlt manches Mal die eindeutige Positionierung und Einkaufserlebnisse sucht man vergebens. Ein Blick nach Frankreich könnte helfen. Die dortigen Galerie Lafayettes sind moderne Einkaufstempel mit hoher Aufenthaltsqualität, in die die Leute gerne hineinströmen. Hier hat man sich mittel- und höherpreisig positioniert, besondere und exklusive Waren werden feil geboten, Einkaufserlebnisse geschaffen und Shop-in-Shop-Konzepte umgesetzt. Man kann Warenhäusern durchaus…

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