DER Minenräumer im Sachwert- und Finanzmarkt

SOS im Pflegemarkt

Deutschland steht vor einem signifikanten Alterungsschub. Grund dafür sind die aktuell starken Verrentungen der sog. Baby-Boomer-Generation (1949-1965), die bis 2030 anhalten wird. Hinzukommt eine seit Jahren sehr niedrige Geburtenrate von ca. 1,4 Kindern pro Frau, die die notwendige Bevölkerungsreproduktionsquote von 2,1 deutlich unterschreitet. Lediglich die unkontrollierte Massenzuwanderung hat die prognostizierte Bevölkerungsabnahme in Deutschland kompensiert. Dies wird allerdings nicht verhindern, dass der Altersquotient weiter nach oben steigen wird. Deutschland vergreist. Hieraus ergeben sich allerdings auch wieder neue Wachstumschancen. Denn mit zunehmenden Alter steigt die Pflegebedürftigkeit an. Der Gesamtmarkt soll von aktuell 5 Millionen Pflegebedürftigen, auf 5,75 Millionen im Jahr 2030 und weiter auf 6,72 Millionen im Jahr 2060 steigen. Der Zusatz- und Ersatzbedarf an neuen Pflegeheimen beträgt pro Jahr rund 400 Häuser. Doch sollten Anleger auf diese Wachstumsstory aufspringen? Dazu bedarf es eines Blickes auf die Rahmendaten in Deutschland. Sowohl die Corona-Pandemie als auch der starke Inflationsanstieg waren wie ein Brennglas für das deutsche Pflegesystem. Zum einen hat die Pandemie gezeigt, welche Zustände in dem System vorherrschen: Fachkräftemangel, Unterbezahlung, Arbeitsüberlastung, Regulierungs- und Bürokratiewahnsinn. Weiterhin lassen Personalbelegungsschlüssel, die nicht eingehalten werden, unweigerlich die Auslastung sinken. Pandemischen Mortalitäten kamen hierbei noch hinzu und haben manche Vor-Corona-Wartelisten für Heime aufgelöst. Die Inflation ist gleich der nächste Belastungsfaktor. Während die Preise für Energie, Nahrungsmittel, Medikamente und Hygieneprodukte durch die Decke schossen, wird die Erstattung der Investitionskosten durch die Sozialversicherungsträger nur zögerlich und anteilig erstattet. Denn das System lebt von der Hand in den Mund ohne größeren Reserven. Dass dann etliche (Groß-) Betreiber Insolvenz anmelden mussten, war und ist die logische Folge. Insgesamt ist weder das Sozialsystem im Allgemeinen noch das Pflegesystem im Besonderen nachhaltig ausfinanziert. Permanente Defizite und Verteilungsfragen sind zu einem Risiko für Pflegeheimbetreiber und Investoren geworden. Der Steuerzuschuss wird jedes Jahr größer und bewahrt das System vor dem Kollaps – noch. Die Masseneinwanderung in die Sozialsysteme ist ein zusätzlicher Belastungsfaktor. Umgekehrt wandern Betriebe immer stärker ab und damit auch die Beitragseinnahmen für die sozialen Sicherungssysteme. Die Politik möchte keine überfälligen Reformen durchführen, sondern verteilt üppige Wahlgeschenke. Das Pflegesystem in Deutschland ist auf tönernen Füßen gebaut. Allgemein stimmt es bedenklich, wenn Deutschland auf Grund eines desolaten Staatswesen -von der heruntergekommenen sozialen und physischen Infrastruktur ganz zu schweigen- nicht mehr in der Lage ist, an Wachstumsmärkten vor der Haustür zu partizipieren. Eine Rentnerrepublik hat aber wahrscheinlich keine Wachstumsambitionen mehr.

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